«Der Weg durch das Trauma und die Kraft der Heilung»

Nach einem Verkehrsunfall in meinen Zwanzigern fand ich zur Homöopathie und entdeckte die Kraft der Selbstermächtigung. Dieser Moment markierte den Beginn eines tiefen Bewusstwerdungsprozesses, der mich schliesslich zu meinem Beruf als Homöopathin führte. Mein heutiger Praxisfokus ist die Neurologie. Meine Fachgebiete sind das Neurodiverse Spektrum und Psychische Gesundheit, dabei habe ich mich auf die Behandlung von Traumata spezialisiert. Meine Familiengeschichte ist geprägt von Traumafolgestörungen, sowohl bei beiden Elternteilen als auch bei meinen Grosseltern. Es gab sehr viel Gewalt und psychische Erkrankungen in den unterschiedlichsten Ausprägungen, von Schizophrenie über Borderline bis hin zu Depressionen und Suizidalität.
Mich interessiert Aufarbeitung und Transformation von Geschichte. Darum habe ich die Lebensgeschichte meiner Grossmutter väterlicherseits aus der Verschwiegenheit geholt. Sie litt an Schizophrenie und nahm sich als Folge davon das Leben. Die Erkenntnisse aus ihrer Geschichte halfen mir, das Verhalten meines Vaters zu verstehen, der sehr gewalttätig und im „Milieu“ unterwegs war. Er hat nie über seine Kindheit gesprochen, erst nach seinem Tod konnte ich seine Biografie rekonstruieren.
Besonders interessant fand ich dabei die Tatsache, dass mein Vater sich unbewusst eine Frau suchte, die psychisch genauso schwer krank war wie seine Mutter. Meine Eltern liessen sich scheiden als ich etwa fünf Jahre alt war. Danach bin ich mit meiner Mutter aufgewachsen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung litt – was allerdings erst sehr viel später erkannt und diagnostiziert wurde. Auch sie konnte gewalttätig werden und hat mehrmals versucht, sich das Leben zu nehmen.
In diesen schwierigen Situationen war ich nahezu immer alleine mit ihr und entsprechend überfordert. Über ihre Probleme wurde in meiner Familie – wie in so vielen – nicht gesprochen, ihre psychischen Ausnahmezustände wurden einfach totgeschwiegen. Auch die Polizei, die einmal dazu gerufen werden musste, hat damals nicht begriffen, dass ich dringend Hilfe gebraucht hätte. Sie haben mich weiterhin mit meiner Mutter alleine gelassen.
Dementsprechend ging es mir selber psychisch nicht gut, ich dachte lange Zeit, ich sei depressiv. Erst durch mein Homöopathie-Praktikum in Bosnien – einem kriegsversehrten Land notabene – habe ich verstanden, dass ich an einer posttraumatischen Belastungsstörung litt. Die Zeit in Bosnien wurde für mich zum Katalysator. Dort erkannte ich, dass ich selbst in gewisser Weise „kriegsgeschädigt“ bin, durch den innerfamiliären Krieg, der von meinen Eltern und Vorfahren aus verschiedenen Gründen nicht aufgearbeitet werden konnte und sich so untransformiert an meine Eltern und an mich weitervererbt hat.
Ich habe viele Jahre an meiner Posttraumatischen Belastungsstörung gearbeitet – habe sie mir „erarbeitet“. Heute kann ich aus dem Herz heraus sagen, dass ich sie überwunden habe – mehr noch bin ich heute sogar dankbar für meine schwere Lebensgeschichte. Sie hat mir meine innere Stärke sowie meine grosse Sensibilität aufgezeigt – beides Attribute meiner Eltern, die ja ebenfalls auf mich übergegangen sind. Ich sehe mich als «wounded healer» eine «verwundete Heilerin» und bin in meiner Familie wahrscheinlich auch die Archäologin – was als Kind sogar mein Wunschberuf war.
- Ich möchte mit meiner Geschichte Angehörigen aufzeigen, dass schwere Lebensgeschichten mit vielen psychischen Krankheiten im Hintergrund einem auch eine Art Rüstzeug oder «Kernkompetenzen» für das Leben geben können. Irgendwie tue ich es zudem posthum auch für meine Eltern – um mit der Arbeit bei Stand by You aufzuzeigen, dass ihr Lebenskampf nicht umsonst war.
- Ich möchte im Bereich der mentalen Gesundheit auf die Rolle der Alternativmedizin als drittes Standbein aufmerksam machen. Oft fehlt der ganzheitliche Blick auf die Geschichte der Patientinnen und Patienten, ebenso wie das Wissen, was Alternativmedizin leisten kann. Der Mensch und seine Geschichte müssen ernst genommen, statt auf ein Krankheitsbild reduziert zu werden. Und genau das bieten alternative Methoden.
Mein Credo:
Niemand wird psychisch krank geboren!
Für die Heilwerdung ist es wichtig, die eigene Geschichte zu kennen und die Zusammenhänge zu verstehen. Entsprechend spielt das Gespräch bei mir in der Behandlung eine grosse Rolle, denn es bietet die Möglichkeit für Bewusstwerdung.
Wir Alternativmediziner*innen bieten zuallererst einmal Raum und Zeit. Gleichzeitig unterstützen energetische Arzneimittel den Bewusstwerdungsprozess in der Tiefe, dort wo man mit Worten (und Medikamenten) nicht hinkommt.