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Offene Türen in der Psychiatrie müssen zur Regel werden

Psychiatrie mit offenen Türen bedeutet mehr Interaktion mit den Patient:innen, verstärkten Einbezug der Patient:innen und deren Angehörige in die Therapie, ein attraktives Behandlungsangebot und ein wertschätzendes Umfeld. Also genau das, was Menschen in psychischen Krisen und deren Angehörige und Vertraute benötigen.

In der stationären psychiatrischen Behandlung gibt es sogenannte offene und geschlossene Stationen. In letzteren können Patient:innen die Station nur verlassen, wenn ihnen jemand vom Behandlungsteam mit dem Schlüssel die Türe öffnet. Demgegenüber stehen Stationen mit offenen Türen. Ein Zwischending sind Stationen, die situativ geöffnet bzw. geschlossen sind. Diese werden geschlossen, wenn ein einziger Patient z. B. auf Grund einer Psychose in der Aussenwelt nicht zurechtzukommen droht. So müssen wegen eines Patienten, einer Patientin alle anderen eingeschlossen werden. Ein Unding im 21. Jahrhundert, das einer Kollektivstrafe gleichkommt.

Zum Glück gibt es innovative Behandlungsstrategien, die mit der traditionellen Psychiatrie der geschlossenen Türen brechen. Damit lässt sich eine menschlichere und auf Patientenautonomie abgestützte, moderne Psychiatrie verwirklichen. So muss nicht der Patient etwas leisten, damit er die Station verlassen kann, sondern das Behandlungsteam muss sich dafür engagieren, damit der Patient/die Patientin auf der Station verbleibt und nicht das Weite sucht.

Dieses Konzept betreiben die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel schon seit Jahren erfolgreich. Zum Wohl der Patient:innen und der Mitarbeitenden. Letztere sind nicht mehr zu Türöffner:innen und -schliesser:innen degradiert. Sie können und müssen im persönlichen Kontakt durch Aufklärung, Beschäftigung und Beziehungsangebote ihrem eigentlichen Berufsauftrag des Pflegens, Betreuens und Therapierens nachgehen. Zudem ist es erwiesen, dass offene Türen die Zahl der Gewalttaten und Entweichungen massiv senkt.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass dieses erfolgreiche, sich für Patient:innen wie Mitarbeitende positiv auswirkendes Betreuungskonzept nicht überall umgesetzt wird. Ein Konzept übrigens, das ganz der von der UNO-Behindertenrechtskonvention geforderten Freiheit vor unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung nachlebt.

 

Gewalt erzeugt Gegengewalt

«Offene Türen bringen eine Selbstverständlichkeit zum Ausdruck, die aus langer Tradition in der Psychiatrie nie da war. (…) Geschlossene Türen sind eine Gewaltanwendung, die im Gegensatz zu Hilfe und Unterstützung steht. Gewaltsame Behandlung ist nicht heilsam. Dieses Buch soll mithelfen, offene Türen überall, wo diese angestrebt wird, umzusetzen.»
Monika Zaugg, Psychosebetroffene und Diana Barth, Angehörige im Geleitwort zum Buch von Undine Lang: Innovative Psychiatrie mit offenen Türen, 2012

« Das Nicht-Umsetzen einer Psychiatrie mit offenen Türen entspricht nicht dem Stand des aktuellen Wissens und ist eine Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. »